Zuerst saß ich da wie die Kommode im Flur, starr und brav, den Blick auf das Holz der Tür genagelt. Ich dachte, du hast nur etwas vergessen. Aber als die Schatten länger wurden und der Riegel sich nicht rührte, fing es in mir an zu kochen.
Ich konnte nicht mehr einfach nur da sitzen. Musste suchen, ob ich was übersehen hab. Ich bin in dein Schlafzimmer getrippelt, von Hoffnung erfüllt. Da warst du nicht. Ich hab sogar die Decke runtergezogen, um ganz sicher zu gehen. Enttäuscht bin ich in die Küche gestapft. Leer. Typisch. Das ist nicht das erste Mal, dass du mir das antust.
Dann bin ich ins Wohnzimmer patrouilliert wie der Tiger im Zoo. Langsam begann mein Atem mehr dem eines bösen Drachen zu gleichen; Tropfen landeten überall auf dem Boden. Du sagst immer irgendwas von „Arbeiten gehen“ … aber was soll das überhaupt bedeuten, wenn du einfach gehst?
Mir ging der Sauerstoff aus. Wut und Frust drohten mich zu zerplatzen, wie ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch. Ich rannte auf und ab. Wir haben es doch immer so schön, wenn du da bist. Warum gehst du immer? Als du immer noch nicht aufgetaucht bist, habe ich gegen die Tür gestampft und gekratzt wie ein Verrückter. Bis ich nicht mehr konnte. Dann hab ich sie gerammt. Ich wollte hier raus, dich finden. Einfach nur hier raus.
Irgendwann sackte ich zu Boden. Alles war vergebens. Mit gesenktem Kopf und zerfetztem Herzen bin ich in die Küche gekrochen und habe Wasser getrunken. Ich sollte dankbar dafür sein. Aber ich war zerstört. Ich schlenderte zur Couch – verboten, ich weiß – aber die Kissen rochen so gut nach dir. Da muss ich wohl eingeschlafen sein.
Als ich aufwachte, war es dunkel. Ich raffte mich stöhnend auf zur Sicherheitskontrolle. Ich nahm den Weg hinter der Couch und stolperte über die toten Spielsachen. Keiner will sie mehr haben. Genau wie mich.
Plötzlich: Schritte im Treppenhaus. Klirrende Schlüssel. Mit gedämpftem Optimismus humpelte ich zur Tür. Wir werden sofort pinkeln gehen! Ich stellte mich strategisch in Position. Klick. Eine andere Tür. Es war nicht dein Schritt. Nicht dein Schlüssel.
Die Enttäuschung brannte heißer als der Schmerz. Ich weiß nicht, wie lange ich dort noch brav gewartet habe, aber mit jedem schleichenden Tick-Tack vervielfachte sich der Druck. Meine Blase war so voll, ich konnte es schmecken. Der Urin probierte, sich qualvollst seinen Weg durch meine Ohren zu bahnen. Mein Körper drohte in tausend Glasscherben zu zerbersten. Ich hockte da wie ein Stück Elend. Als mein Fass rein physisch überlief, robbte ich mich mit brennender Demütigung in den Abstellraum. Das hinterste Eck. Vielleicht würdest du es übersehen.
Genau in diesem Moment: Das Geräusch. Dein Schlüssel. Die Tür flog auf. Du warst da! Trotz aller Schmerzen rannte ich los. Ich wollte bellen, Wörter formen, dich schimpfen: „Wo warst du so verdammt lange?!“ Aber es kam nur ein Jaulen heraus. Schaum flog von meinem Maul, als ich an dir hochsprang.
Ich freute mich so sehr, dass es keine Worte gibt, die das beschreiben könnten. Ich bemerkte gar nicht, wie sich meine Blase heimlich entleerte. An deinem Hosenbein. Ganz kurz war Totenstille. Nicht mal die Uhr tickte mehr. Die Welt begann sich erst mit deinem Atem wieder langsam zu drehen.
„Oh mein Schatz, es tut mir so schrecklich leid!“ Du hast mich in deine Arme genommen und die Erde begann auf ganz neuen Bahnen zu kreisen. Wie zwei Kriegsentkommene sprinteten wir die Treppe runter ins Freie.
„Ab morgen bleibe ich zu Hause, mein Lieber.“ Ich hab zwar kein Wort von deinem Gebrabbel verstanden, aber der Tonfall … er klang, als wäre dir ein Fels vom Herzen gefallen. Erleichternd gut. Draußen im Park wandelte sich die erbarmungslose Wartezeit in ein glückliches Leben. So lange sind wir noch nie spazieren gegangen. Wir waren ein echtes Rudel auf Erkundungstour.
Wieder zu Hause hast du die „böse Tasche“ gepackt – das Ding, mit dem du immer für den ganzen Tag durch die Tür verschwindest. Wir sind zusammen in den Keller gegangen und haben sie weggestaut. Das hast du noch nie zuvor getan. Der Feind war verbannt.
Danach haben wir ausgiebig reingehauen; ich weiß nicht, ob es jemals schon so gut geschmeckt hat. Dann hast du mich zur Couch gerufen, von wo du mich bis zu unserem nächsten Spaziergang nicht mehr losgelassen hast. „Geht doch“, habe ich dir zugehechelt und mich ganz fest bei dir reingekuschelt. Mehr wollte ich doch gar nicht.
Und während ich dort lag, spürte ich, wie sich dieses letzte Bild durch mein Fell direkt in mein Herz tätowierte: BvBest Care Ever. Not Alone Again. Never.
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